Gedanken zum Umgang mit Stress

 

In meiner Hamburger Praxis als Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt Komplementärmedizin und Mind/Body- Medizin behandele ich live oder per Videocall hausärztliche Patient*innen und als Gatekeeperin chronisch Kranke, die bei Ihren Immunolog*innen, Internist*innen oder Onkolog*innen regelmäßig betreut werden.

Bei allen Patient*innen ist immer wieder zu sehen, wie Stress, hormonelle Umbruchzeiten, Schicksalsschläge oder der selbst gewählte eigene Lebensstil Krankheiten auslösen oder Schübe triggern kann. Spätestens nach einer sehr gründlichen Erstanamnese und einem diagnostischen Hormon-/Cortisol-Status im Speicheltest zeigt sich ein unphysiologisch permanent erhöhtes Cortisol Tagesprofil. Gemeinsam finden wir Zusammenhänge zwischen Belastungen und unerwarteten Schüben und suchen partnerschaftlich nach realistischen Ansatzpunkten, kleinen Verhaltensveränderungen, um mehr Lebensqualität/ Wellbeing (Wohlbefinden) und Entspannung zu spüren und zu erhalten. 

Nach dieser Erstanamnese betreue ich die Patient*innen in Einzelberatung weiter und/oder biete Ihnen meinen Mind/Body- Medizin Kleingruppenkurs über einige Wochen an. Hier stärkt das kontinuierliche Arbeiten und die gegenseitige Unterstützung in der Gruppe energetisch die langfristige Umsetzung der eigenen Ziele.

Nicht jede*r Patient*in sieht anfangs einen Zusammenhang zwischen rezidivierenden Infekten, Rückenschmerzen, Empfindlichkeiten, Schlafstörungen, Schüben und der individuellen work- life-balance. Meine Nachfrage nach Stress wird somit oft verneint oder manchmal kommt die leise Antwort, „.. ja aber nur guten Stress...“ Es guten oder schlechten Stress zu nennen, trifft  es nicht mehr, es  geht um den physiologischen Umgang mit Stress. Dazu mehr später.

Zu diesem Zeitpunkt der Behandlung hilft es nun der/dem Patient*in Infomaterial und Fragebögen zum Thema Stress anzubieten. Letztere bieten die Möglichkeit für sich alleine einfach mal so zu reflektieren bzw. nur anzukreuzen, welche nun doch multiplen körperlichen, emotionalen, kognitiven und Verhaltenswarnsignale für Überforderungen vorliegen. Diese schnellen Tests lassen sich immer wieder mal zur eigenen Reflexion des Lebensstils kurz einbauen und geben Impulse Innezuhalten, evtl. etwas zu verändern .. Übrigens auch als Selbstfürsorge für Therapeut*innen im Gesundheitswesen bestens geeignet.

Sobald das Patient*innen Interesse an einer Veränderung da ist, schauen wir gemeinsam an, wie Stress herkömmlich sich definierte und zu was er nun geworden ist.

Evolutionär betrachtet ist Stress eine angemessene Kampf-/ Fluchtreaktion auf eine lebensgefährliche Bedrohung: Ein Raubtier nahte, was eine reelle Angriff-, Gefahrensituation ist, die das hormonelle Alarmsystem focusiert auf den reflexartigen Fluchtmechanismus zur Lebenserhaltung umschaltet. So werden enorme Energiepotentiale frei gesetzt, um dem Raubtier auf seiner Jagd zu entkommen und sich zu verteidigen.

In dieser Alarmreaktion des Organismus findet eine notwendige Einschränkung der Wahrnehmung aufs Überleben statt. Nach der erfolgreichen, körperlichen Extremleistung bei der Gefahrenbewältigung folgt die dringend notwendige Erholungsphase und das Herunterfahren im System.

Falls eine permanente Überforderung durch dauernde (oder auch nur so wahrgenommene) Angriffe ohne folgende Adaption, Herunterfahren und Erholungsphasen sich einstellt, scheitern auch die menschlichen Fähigkeiten angebracht zu reagieren. Die eigenen Widerstandskräfte erschöpfen sich und körperliche Symptome treten auf. Das Immunsystem reagiert dabei auf Stress mit komplexen, teils inflammatorischen Immuninteraktionen und neuroendokrinen Funktionen.

Aber das muss nicht so bleiben. Durch einen angepassteren Umgang mit Stress und neu zu lernenden Stressreaktionen lässt sich die eigene Gesundheit selbst beeinflussen.

Hier noch einmal eine kurze, fast kausalanalytische Zusammenfassung  für Stressentstehung und Therapievorschläge in der Mind/Body- Medizin:

Von außen oder vom Menschen selbst kommende Reize und Belastungen werden als Stressoren empfunden und lösen eine Reaktion am Menschen aus: es entsteht eine erhöhte (An-) Spannung. Diese Reaktion kann sich körperlich, psychisch und im Verhalten zeigen. Die meisten Stressoren sind immer im Alltag da, konfrontieren uns täglich und somit stellt sich die Frage, wie damit umzugehen ist.

Die erste wichtige und freie Entscheidung ist, zu akzeptieren und zu erkennen, wie sehr Stress den eigenen Alltag prägt und dann evtl. erst einmal zu stoppen, tief durchzuatmen und zu überlegen, ob das so bleiben soll.

Falls es kein befriedigender Dauerzustand für die/den Einzelne(n) ist so zu verharren, gibt es eine gute Alternative. Eine Möglichkeit nicht immer auf der Flucht bzw. im Hamsterrad des Stresses zu sein, ist die von dem Mind/ Body- Medizin Pionier Dr. Herbert Benson geprägte Relaxation Response (s. auch mein Texte zu Mind/Body- Medizin).

Diese physiologische Entspannungsantwort ist beim Menschen von Geburt an vorhanden, wird zentral gesteuert und führt bei regelmäßigem Pflegen/ Praktizieren von Entspannungstechniken zu Wohlbefinden und innerer Ruhe und reduziert körperliche Erkrankungen. Leider findet dieses Üben im Alltag nicht mehr statt. 

Es gibt nicht nur eine einzige richtige Entspannungsform für alle, das würde wieder nur erneut Stress erzeugen. In meinen Mind/Body- Medizin Kursen und in meiner Arztpraxis stelle ich vor, was es an absichtsloser Entspannung für jede/n Einzelne*‘n gibt und wie es aussehen kann, praktizierbar ist und somit sich langfristig ein anderer Umgang mit Stress einstellt.

Bei Fragen zu Literatur und zu stattfindenden MBM Einzel-oder Gruppenkursen kontaktieren Sie mich gerne. Zudem finden Sie weitere Infos auf den Seiten www.dr-buttgereit.de und www.wellbeingHamburg.de.

© Dr. Ute Maria Buttgereit, Fachärztin für Allgemeinmedizin und CIM